Lesereisen für die Corona-Zeit

Urlaub gestrichen? Die 5 besten Lese-Reisen in Corona-Zeiten

Sende
Benutzer-Bewertung
0 (0 Stimmen)
Lesedauer: 4 Minuten

Der geplante Sommer-Urlaub ist wegen der Corona-Pandemie gestrichen? Strandträume sind zerplatzt und exotische Altstadt-Erlebnisse Fehlanzeige? 2020 wird uns und unsere Freizeitgestaltung nachhaltig verändern, so viel ist sicher. Urlaub in heimischen Gefilden ist jetzt schon gefragter denn je, Flugreisen nach Fernost werden zu Ladenhütern. Aber dennoch ist es ja möglich, in andere Welten einzutauchen: auf den Schwingen unserer Phantasie und mithilfe von unterhaltsamer Literatur. Ich stelle euch hier meine fünf Top-Buchtipps für Corona-Zeiten vor. Viel Spaß beim Schmökern!

1. »Unsere Seelen bei Nacht« – Kent Haruf

Worum geht’s?

Unsere erste Reise führt uns in die Kleinstadt Holt im amerikanischen Bundesstaat Colorado. Addie und Louis sind beide um die Siebzig und gleichermaßen einsam. Warum sich also nicht zusammentun? Eine zärtliche-unschuldige Liebesgeschichte beginnt. Die beiden Seelen treffen sich heimlich in der Nacht und erzählen einander von ihrem Leben. Doch der Skandal ist programmiert, denn in einer Kleinstadt bleibt wenig geheim.

Für wen ist das was?

Wer sich an »Jakob und Adele« erinnern kann, der wird diesen Roman innig lieben, versprochen. Für alle Leser ab Jahrgang 1980: Wer noch an die romantische Liebe glaubt und sich auch Zärtlichkeiten im Alter vorstellen kann, der wird Addie und Louis ins Herz schließen und deren intolerante Nachzucht verurteilen.

2. »Töte mich« – Amélie Nothomb

Beitragsbild Töte mich Amélie Nothomb

Worum geht’s?

Amélie Nothomb nimmt uns als Reiseführerin mit in die belgischen Ardennen auf das Château du Pluvier der Familie des Grafen Neville. Dessen depressive Tochter Sérieuse wünscht sich von ihm, dass er sie töten möge. In welche Nöte sie damit ihren Vater stürzt, kann man sich denken. Und dass die Wahrsagerin Madame Portenduère mit ihrer Prognose recht behalten wird, macht das Ganze nicht besser.

Für wen ist das was?

»Töte mich« ist eine Reise in menschliche Abgründe. Kann ein Vater sein Kind so sehr lieben, dass er es tötet? Wer dieses Gedankenspiel interessant findet, wird diesen Roman aus 2017 mögen. Aber ich warne: Es ist möglich, dass der/die Lesende die gesamte Zeit über betet, es dürfe bitte nicht geschehen.

3. »Als Durante kam« – Andrea de Carlo

Beitragsbild Als Durante kam Andrea de Carlo

Worum geht’s?

Mit Andrea de Carlo reisen wir an einem heißen Frühsommertag im Mai nach Italien, ins Land von Amore, Dolce Vita und Vino Rosso. Pietro und seine Astrid leben als Aussteiger in dünn besiedeltem toskanischen Land. Und dann kommt Durante, der lässige Fremde, der die wildesten Tiere zähmt und dem die Frauen zu Füßen sinken. Durante bringt alles durcheinander, was unerschütterlich schien.

Für wen ist das was?

»Als Durante kam« wird jene begeistern, die heiße Sommer, süffigen Rotwein und südländisches Temperament lieben. Vor allem geeignet für Leserinnen, die noch auf der Pirsch sind und nach dem Mann fürs Leben fahnden. Wenngleich Durante vielleicht kein Mann für die Ewigkeit ist, so ist er doch irgendwie ein Traumtyp.

4. »Leinsee« Anne Reinecke

Beitragsbild Leinsee Anne Reinecke

Worum geht’s?

Wir reisen mit Anne Reinecke und dem Künstler und Bildhauer Karl Stiegenhauer von Berlin an den Leinsee, der irgendwo in Süddeutschland liegt. Durch Schicksalsschläge wird Karl dazu gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und von ihr und seinen Eltern abzunabeln. Parallel dazu entsteht seine innige Freundschaft zur kleinen Tanja. Die beiden werden gleichsam miteinander erwachsen.

Für wen ist das was?

Diese Reise ist etwas für Menschen, die leise Filme mögen, sich gern in andere Köpfe hineindenken und neugierig und offen sind für die Möglichkeiten und Wege, die uns das Leben so bietet. Querdenker und Freigeister werden sich angesprochen fühlen und »Leinsee« lieben. Das ist kein Roman für neurotische Spießer.

5. »Der Sprung« – Simone Lappert

Worum geht’s?

Der letzte Ausflug führt uns in eine Kleinstadt in der Nähe von Freiburg. Eine junge Frau steht fast zwei Tage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses. Was macht sie da? Will sie sich umbringen? Wer steht alles unten in der gaffenden Menge und warum? Reiseleiterin Simone Lappert zoomt sich in die Köpfe der Menschen. Die Gleichzeitigkeit der beschriebenen Ereignisse macht das Gesamtwerk so interessant.

Für wen ist das was?

»Der Sprung« ist ein dramatisch-packender Roman. Für jeden geeignet, der Spannung mag, aber kein ausgesprochener Krimi-Fan ist. Wer interessiert ist an der unterschiedlichen Psyche der Menschen, daran, auf welche Weise ein einziger Tag dem Leben eine grandiose Wendung geben kann, der sollte diesen Roman unbedingt lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.