Wir drei gegen den Rest der Welt – JAHRESRÜCKBLICK 2023!

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Tschüss! Dieses Jahr kann dann auch weg.

Heute, am 23. Dezember, ist Zeit, um das für meine Kinder und mich unfassbar turbulente 2023 Revue passieren zu lassen. Einkäufe sind erledigt, Geschenke verpackt, der Baum ist geschmückt. Eben gerade hat es zu schneien begonnen, Besinnlichkeit kehrt ein.

Ich sitze in meinem frisch renovierten Zimmer, im neuen Kaminofen brennt ein munteres Feuer, und eine tief empfundene Dankbarkeit durchströmt mich. Diese Dankbarkeit habe ich vor exakt einem Jahr ebenfalls empfunden und dennoch im Stillen gedacht: »Es ist so schön gerade! Harmonie in der Familie, das war auch schon mal anders. Aber wer weiß, wie lange das noch so bleibt. Also sei dankbar und glücklich.« Ich dachte allerdings an Krankheit und Siechtum, nicht an das, was dann tatsächlich ein paar Tage später passierte (kannst Du hier lesen).

Am Abend des 7. Januar verschwand nämlich der Mann – erklärungslos bis heute – in Richtung Buxtehude, wo er inzwischen auch wohnhaft ist. Unsere Versionen des Geschehens sind divergent, wie das immer so ist. Wir, die Kinder und ich, erinnern uns daran, dass er gegangen ist und wir ihn nicht wieder reingelassen haben. Er empfindet sich als rausgeworfen. Die viel später im Altpapier aufgetauchten Adressen mit zur Miete angebotenen Wohnungen in der niedersächsischen Kleinstadt strafen ihn Lügen.

Wer, was, wann, wo, warum ist aber auch egal. Diese Ruptur im Familiengefüge kam für die Kinder und mich einem Erdbeben gleich, aus scheinbar heiterem Himmel. Nichts hat mein mir als hochsensibler Person recht zuverlässiger Stimmungs-Seismograf von der drohenden Katastrophe angezeigt. Vielleicht war er auch nur nicht gehört worden; ich hatte eine heftige Erkältung gehabt, fühlte mich krank und schlapp, im Salon war viel zu tun..

Sooo viel geschafft!

Wir haben in 2023 unglaublich viel geschafft, hier seien nur die größeren Projekte erwähnt:

Die 2021 eingebauten Rollladen haben jetzt endlich Strom, eine lange ersehnte Schiebetür ist eingebaut worden, ein zweites Kaminzimmer ist renoviert – Parkett abgeschliffen und Wände gestrichen -, die Linden sind gekappt, Abitur und Geburtstagsfest ganz groß gefeiert, eigene neue Homepage gestaltet, weil sämtliche – auch diese hier – Domains noch immer der Verwaltung des IT-Gatten unterliegen. Dessen Hab und Gut habe ich in vielen Stunden mehr oder minder liebevoll in mehr als 30 Umzugskartons gepackt und in den Schuppen gezerrt. Er musste es nur noch abholen.

Übrigens bin ich jetzt auch tätowiert, was ich schon viele Jahre lang gern wollte. Zum Zeichen meiner unverbrüchlichen Liebe zu meinen Sprösslingen: die Anfangsbuchstaben meiner Kinder, in meiner Lieblingsfarbe Lila und meiner Strubbelköterschrift. Mehr geht nicht. Unterlassen hatte ich das Tätowieren all die Jahre, weil der Gatte das abstoßend findet und im Fall der Zuwiderhandlung mit Scheidung gedroht hatte. Nun denn.

Meine tolle Tochter

Was soll ich sagen? Diese kleine Wölfin ist ausgestattet mit allem, was frau benötigt, um im Leben bestens klarzukommen. Sie hat einen messerscharfen Verstand, eine spitze Zunge, ein gutes Herz und ist obendrein auch noch mit Kreativität, Talent und Schönheit gesegnet. In 2023 hat sie mal eben so (»Ein gutes Springpferd springt nur so hoch wie es muss!«) ein um 0,3 Punkte besseres Abi hingelegt als Günther Jauch. Der Führerschein ist auch bestanden. Die junge Dame wird zum Sommersemester 2024 voraussichtlich ein Studium der Kunstgeschichte beginnen. Die Zeit bis dahin verbringt sie mit Jobben in der Zahnarztpraxis meiner Freundin und – es sei ihr nach G8 von Herzen gegönnt – mit Chillen.

Seit dem Sommer hat sie einen zauberhaften jungen Mann als Freund. Vom Umgang der beiden miteinander könnten sich die Eltern meiner Tochter mal so richtig dicke Scheiben abschneiden. Kommunikation, liebevolles Miteinander, erwachsenes Austragen von Konflikten – auf Augenhöhe. Noch ist es eine Beziehung auf Distanz, da der Auserwählte in einem bayerischen Internat 2024 Abi machen wird, ehe er dauerhaft ins heimische Hamburg zurückkehren kann. Zu Weihnachten nehmen er und seine Eltern an unserem Brunchtisch Platz.

Mein wunderbarer Sohn

Nachdem mein 13-jähriger Kleini fünf Tage vor seinem 14. Geburtstag hilflos in der Haustür stehend und weinend mitansehen musste, wie sein Vater mit Rucksack und Kulturtasche Haus und Familie für immer verließ, hat er in 2023 eine ganz erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Davon abgesehen, dass er inzwischen die Einsachtzig anpeilt (sein Ur-ur-Großvater mütterlicherseits war bei Kaiser Wilhelm bei den »langen Kerls« und hatte ebenfalls Gardemaß), hat er nicht nur wider Erwarten die Versetzung in die Obertertia geschafft, sondern startet seit den Sommerferien in der Schule so richtig durch und schickt sich an, seine Schwester schulisch zu überflügeln. Die Fünfen in Mathe mit väterlicher Nachhilfe sind durch Zweien abgelöst worden. Auch dank des Sohnes meiner Freundin, der ihm hier seit Anfang des Jahres mathematisch unter die Arme greift und ein richtig toller und geduldiger Erklärbär ist. Seit es in Latein Einsen hagelt, bin ich jedoch, ehrlich gesagt, ein klein wenig verstört.

Viel schöner noch als schulische Erfolge sind aber jene Abseits der Pflicht. Im Januar hat er eine aktive Fußballerkarriere begonnen, pflegt Freundschaften on- und offline und ist mit seiner freundlichen und sensiblen Art überall ein gern gesehener junger Mann, der große Kompetenzen im sozialen und technischen Bereich hat. Manchmal denke ich, dass er sich aus einer erlernten Hilflosigkeit herausgekämpft hat und die in den vergangenen Jahren zu Hause immer wieder gestutzten Flügelfedern nachgemausert sind. Ich bin sehr stolz auf ihn und begleite und beobachte mit großer Liebe seine weitere Entwicklung.

Und ich?

Ich habe zu Beginn dieses Jahres ganz schön Federn gelassen. Acht Kilo Gewicht geschmissen, Panikattacken gehabt. An Emotionen war auch alles dabei. Das Jahr begann mit großem Kummer, Wut und Verzweiflung. Es nahm seinen Lauf mit Zuversicht, Kampfgeist und Freiheitsgefühl. Schließlich kamen noch Freude, Glück, Zufriedenheit, Stolz und Dankbarkeit dazu. Ich fühle mich vollständig.

Meine allerbeste Läster-Schwester

Richtig dolle schön war in diesem Jahr, wie ich mit meiner Nennschwester zu einer unzerstörbaren Einheit zusammengewachsen bin. Wir kennen uns seit 1980 und haben in 2023 neben täglichen »Podcasts«, wie wir unsere WhatsApp-Audios nennen, auch richtig viele schöne gemeinsame Momente »in real life« gehabt, obwohl wir 150 Kilometer voneinander entfernt wohnen. Wir haben meinen und ihren Geburtstag im Juli bzw. November groß gefeiert, wir waren bei einem dann doch nicht stattfindenden Konzert, wir haben uns im ICE getroffen, als sie aus der Mongolei und ich aus der Pfalz kam, wir waren in der Elphi und haben die zweite Halbzeit geschwänzt. Wir haben unglaublich viel geweint, gelacht (»Ihr seid immer so laut beim Lachen«, beschwerte sich meine Tochter) und geschwatzt, philosophiert, analysiert und fantasiert. Wir erden einander, und wenn es nötig ist, waschen wir einander per Audio den Kopf und schicken »Heuler« wie bei Harry Potter. Es gibt so viele Parallelen in unserem Leben. Dass wir nun beide gerade so richtig durchstarten, ist nur eine davon. Meine geliebte Andrea ist einfach großartig, und ich liebe sie sehr.

Der Vadder bleibt stumm

Mein Versuch, über das Jugendamt den Vater zu zwingen, mit seinen Kindern Kontakt zu halten, ist zwar behördlich dokumentiert, aber gescheitert. Inzwischen bin ich auch ganz froh darüber, wenn ich ehrlich bin. Geheucheltes Interesse schmerzt Kinderseelen mehr als offen gezeigte Gefühlskälte. Der Kleine weiß, an wen er sich bei der Familienberatung wenden kann, wenn Mama mal nicht ausreicht, die Große ist fein mit dem Kontaktabbruch. Interessanterweise hat der Mann noch vor einigen Wochen versucht, mir die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben. Nachdem er im November zum ersten Mal seit April in der Stadt war, um seine Umzugskartons abzuholen, hat er nicht ein einziges Mal nach den Kindern gefragt. Lediglich ein »Habt ihr euch inzwischen eingegroovt?« könnte man wohlwollend als Interessenbekundung werten.

Im abschließenden Gespräch nach dem Ausräumen konnte geklärt werden, dass mein im April über die Straße gebrülltes »Lass dich hier nie wieder blicken!« NICHT bedeutete, dass ich ihm den Kontakt zu seinen Kindern verbiete (als würde dieser Mann sich jemals etwas verbieten lassen, von dem er weiß, dass das Gesetz auf seiner Seite ist!!!). Anlass meines prä-österlichen Gebrülls war übrigens gewesen, dass er in meiner Abwesenheit mein Haus betreten hatte und sich auch von seinem Sohn nicht davon abhalten ließ. Dieser hat daraufhin ganz pfiffig sicherheitshalber alles gefilmt.

Leider hat der Mann trotz Klärung und meiner Auskunft, dass ich auch den Kindern immer gesagt habe, ich würde Kontakt weder verhindern noch fördern, dennoch nicht in diesem Moment (und bis heute nicht!) die Gelegenheit genutzt, um wenigstens seinen Sohn in die Arme zu schließen. Der, nebenbei bemerkt, den ganzen Tag in seinem Zimmer sitzend genau darauf gewartet hatte, was mir das Herz zerriss. Nun, das scheint ein letzter Beweis dafür zu sein, dass eine narzisstische Persönlichkeitsstörung nicht auszuschließen ist. Mit einem lieben Gruß zu Weihnachten rechnet niemand hier.

Meine versöhnliche Idee, den Mann zu Weihnachten zu uns einzuladen, haben meine Freunde mit Entsetzen und meine Kinder mit Ablehnung quittiert. Um das Wohlergehen des Vaters müssen wir uns vermutlich wirklich keine Sorgen machen. Die Feiertage wird er nicht einsam und allein verbringen. Jörn Stieglmayr wird mit Sicherheit in seiner neuen Heimat durch seine einnehmende grandiose Art, Witz und Eloquenz neue Vasallen um sich geschart haben. Sie werden ihm applaudieren, bis sie das Spiel durchschaut haben, welches er so perfekt beherrscht. Oder sie werden als inkompetente Idioten von ihm abgeschossen und geghostet, wie es so vielen Menschen in seiner Vergangenheit ergangen ist.

Was Recht ist, muss Recht bleiben.

Seine beharrliche Weigerung, die seinem Sohn zustehende Auskunft über sein Einkommen zu geben, hat letztendlich dazu geführt, dass ich mich schweren Herzens und nach vielen Gesprächen mit Freunden und Juristen und unter Aufbietung allen Mutes dazu durchgerungen habe, das Familiengericht zu bemühen. Ich fand, er dürfe sich nicht über das Gesetz stellen. Nachdem er von mir schon Anfang des Jahres unter Drohung gerichtlicher Schritte entsprechende Auskünfte angefordert und selbstverständlich unverzüglich bekommen hatte, umgekehrt aber sämtliche Anwaltsschreiben mit Schweigen quittiert hatte, sah er sich nun mit einem Gerichtsurteil konfrontiert, das ihm keine Wahl mehr ließ. Seitdem wissen wir, dass er in seinem neuen Job 4000 Euro netto mehr einsammelt als ich mit meiner Selbstständigkeit.

Warum er seiner Tochter seit ihrem 18. Geburtstag keinen Cent mehr zahlt, kann ich mir denken. Nach bewährter Manier hat er auch das Schreiben ihres Anwaltes, den sie sich mitten im Abitur deshalb nehmen musste, weil Volljährige selbst klagen müssen, einfach ignoriert. Kein Glückwunsch zum bestandenen Abi, kein Wort, nichts hat sie von ihm bekommen. Ich muss es einmal aufschreiben: WAS FÜR EIN WIDERLICHES ARSCHLOCH, was für eine armselige Kreatur. Verhält sich nicht wie ein Vater, aber hat noch seine beiden Kinder als Steuervorteil auf der Lohnsteuerkarte. Ekelhaft.

2024 wird gut, besser, am besten.

Was Jörn mir angetan hat, habe ich ihm längst verziehen, aber die Sache mit den Kindern wird noch dauern. So etwas kann eine Mutter niemals oder nur sehr schwer verzeihen. Wir heißen zwar Stieglmayr und nicht Bachmeier, aber was mich als 11-jährige 1981 noch fassungslos gemacht hatte, vermag ich inzwischen immer mehr zu verstehen. Immerhin hat mein Noch-Mann seine Kinder nicht getötet. Das Herz hat er ihnen trotzdem gebrochen.

Und dennoch ist mein Fazit: »Ich bin reich mit geringem Einkommen.« Es sind in 2023 Freunde dazu-, manche sind zurückgekommen und die allerbesten sind natürlich geblieben. Ich habe den Segen der Hilfsbereitschaft von völlig Fremden, Kunden, Nachbarn und Freunden erfahren dürfen. Ich darf Jörn von Herzen danken für diese fabelhaften Kinder und seine Unterstützung in Sachen »Strubbelköter«. Und letztendlich auch für sein Ausbrechen aus der Familie.

Ich habe in diesem Jahr mehr geschafft als in den vergangenen 19 Jahren zusammen. Manchmal blicke ich auf das Erreichte und weiß selbst nicht, woher ich diese unglaubliche Energie dazu genommen habe. Ich bin gewachsen an meinen Aufgaben, ich bin erstarkt und erblüht, als hätte ich viele Jahre erstarrt und hilflos ausgeharrt. Jetzt nehme ich wieder selbst Bohrmaschine, Pinsel, Internet und Verantwortung in die Hand, erledige alle wichtigen Dinge unverzüglich und entschlossen.

Wir drei und die drei Hunde machen es uns jetzt richtig schön. Wir blicken positiv und neugierig in die Zukunft und sind gespannt auf 2024.

Claudia Stieglmayr

4 comments / Add your comment below

  1. Liebe Claudia, es ist schön hier zu lesen, dass du dich durch dieses offensichtliche Tal der Tränen, durch diese grässliche und verflixte Zeit so gut durchgekämpft hast und dass es dir und insbesondere deinen Kindern gut geht! Du wirst weiterhin die Ohren steif halten und ganz sicher weiter deinen Weg gehen (wie sollte es anders sein bei einer starken Frau? ;)). Ganz liebe Grüße an Andrea *. Schöne Weihnachten und ein super schönes neues Jahr wünsche ich dir **

    1. Liebe Kerstin, vielen Dank für Deine lieben Worte! Wir haben uns ja auch eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, Du warst gar nicht beim letzten Abitreffen dabei. Ich hoffe, Du lässt es Dir gutgehen, Dein Sohn muss ja mittlerweile schon flügge sein, oder? Die Grüße an Andrea habe ich ausgerichtet. Gaaaanz liebe Grüße auf die andere Elbseite!

  2. Liebe Claudia, ich bin fassungslos was das letzte Jahr in Deinem bzw. Eurem Leben passiert ist. Ich hab‘ Dich in den letzten Tagen immer wieder im Kopf gehabt und nach Dir gegoogelt. Aber wegen der Schreibweise deines Nachnamens hab ich ein paar Versuche gebraucht. Nun hab ich mich hier festgelesen, von einem zum anderen Blogbeitrag. Deine Ferienwohnung auf Poel; ich hab so schöne Erinnerungen daran. Ob du dich an mich erinnerst? Ist so lange her. 20 Jahre oder etwas mehr?
    Herzliche Grüße – inzwischen aus dem Pfälzer Wald – Susanne

    1. Oh, wie schön! Natürlich weiß ich noch. Du hast in mir die Liebe zu den spanischen Hasenjägern geweckt. Eines Tages…
      Vielen lieben Dank für Deine Nachricht. Poel habe ich an eine Freundin verkauft und in meinen Strubbelköter investiert. In der Pfalz war ich letztes Jahr und habe dort eine auf Poel gefundene Freundin besucht, in KiBo. Schön bei Euch.😊
      Viele liebe Grüße aus dem Norden!

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