Das Gift der Narzisse

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Der Psychopath und seine Opfer – 19 Jahre im goldenen Käfig

Nach 19 Jahren kommentarlos ausgemustert zu werden wie ein altes Paar löchriger Socken, das ist schon böse. Flupp – ohne eine Erklärung ab in den Müll. Die Socke ist überrascht und verletzt. Der Sockenträger hat nicht auch nur VERSUCHT, ihr Loch zu stopfen. Selbst wenn man letztendlich und im Nachhinein zustimmen möchte: Ja! Völlig richtig. Das Loch war viel zu groß geworden. Aber weil nur einer es gesehen hatte, konnte es nicht gestopft werden; dafür braucht es Nadel UND Faden. Arme Socke.

Zehn Jahre zuvor war ich es, die mangels Faden die Socken entsorgen wollte. Ich wollte raus aus dieser toxischen Beziehung voller Erniedrigungen. Eine Anwältin hatte ich, eine Psychologin für die Kinder, die damals acht und vier waren. Keinen Sinn sah ich mehr, weil er nicht mehr sprach und auf die Frage, ob er denn denke, er habe einen Anteil an der Situation, wie sie wäre, mit NEIN antwortete. Und mit: „Nimm zwanzig Kilo ab, dann läuft das schon wieder.“ Da dachte ich, ich wäre stark genug, mich trotz der kleinen Kinder zu trennen. Und dann akzeptierte er meine Entscheidung nicht. Und er blieb. Und er war für eine Weile sogar freundlich zu mir.

Kontaktabbruch

Und dann kam der Tag im Januar, an dem meine Intuition mich die Frage stellen ließ: „Willst du das hier denn noch? Liebst du mich noch?“ Er antwortete: „Ich weiß es nicht.“ Und wenige Stunden später war er fort. Unser Sohn stand hilflos dabei, wie er seinen Rucksack packte und grußlos das Zuhause verließ. Mir schickte er später eine Kurznachricht, in der stand, er müsse mal mit jemandem reden. Nachdem meine beste Freundin mich daran erinnert hatte, wie gemein er oft zu den Kindern gewesen war, haben die Kinder und ich beschlossen, ihn nicht wieder reinzulassen. Es passe nicht in sein Konzept, sich jetzt eine Wohnung zu suchen, hat er daraufhin entsetzt gesagt. Beinahe wäre ich eingeknickt. Gut, dass ich hart geblieben bin. Sein Konzept war es nämlich, wie ich inzwischen weiß, seinen Auszug ganz in Ruhe vorzubereiten und dann – für uns ebenso plötzlich und unerwartet – zu verschwinden. Am Tag vor seinem Verschwinden hatte er nämlich schon Wohnungen besichtigt…

Wer mir unendlich geholfen hat, diesen Kontaktabbruch mit mir und vor allem mit den Kindern zu verwinden, ist in erster Linie eine Kundin aus dem Hundesalon. Die Hamburger Psychologin hatte in der Woche nach seiner überstürzten »Flucht« einen Termin, las eine Mail von mir an meinen Mann und konstatierte, den Kopf bestürzt in die Hände gestützt: »Eine Beziehung mit einem Narzissten kann man entweder aushalten oder so schnell weglaufen, wie man nur kann.« In diesem Moment fiel zum ersten Mal im Zusammenhang mit dieser Müllschlucker-Trennung der Begriff Narzissmus. Auf meine Frage hin, weshalb er dann zehn Jahre zuvor meine Trennungsabsicht nicht akzeptiert hatte, sagte sie nur: »Narzissten werden nicht verlassen.«

Wenige Stunden später konnte ich wegen einer nicht erschienenen Kundin ein Zeitfenster zur Recherche nutzen. Was soll ich sagen? Ich konnte an sämtliche Merkmale des pathologischen Narzissten ein Häkchen setzen, nur geschlagen hatte er mich nie. Und war entsetzt. Denn all diese Dinge, Verhaltensmuster oder Ursachen hatte ich immer gesehen, hätte sie benennen können, aber weil ich eben KEINE Psychologin bin, konnte ich das niemals als Gesamtheit zu einem Krankheitsbild zusammenfügen. Typisch für Opfer von Narzissten. Und typisch auch, dass die Opfer sich Hilfe suchen, nie die Täter.

Gefühlskälte

Ich sah oft seinen runzligen Schildkrötenhals und seine abgemagerten, verbitterten Gesichtszüge, fürchtete mich vor seinem bösen Blick. Und dachte so bei mir: Schade. Aber nicht unerträglich. Nicht untragbar. Ich kann vieles aushalten, mich mit vielem arrangieren. Aber ich dachte oft außerdem: WER IST DAS? Wer ist dieser Mann, der nach drei Wochen schon bei mir eingezogen ist, mich nach sechs Wochen geschwängert und dann ganz charmant die totale Kontrolle über mein Leben übernommen hat. Lovebombing nennen das die Psychologen. Sein wahres Ich hat der Mann mir aber nie gezeigt, nie seine Gedanken mit mir geteilt. Der Mann, der nach wenigen Wochen zu mir gesagt hatte: »Du bist nicht nur dumm, sondern auch blöd!«

Mein größer Fehler, wie ich mir nun eingestehen muss, war leider, dass ich fast zwei Jahrzehnte lang davon überzeugt war, einen guten Kern in ihm zu sehen. Ich war so sicher, er hätte einen guten Kern! Inzwischen weiß ich, dass Opfer von Narzissten genau diesem Irrtum aufsitzen. Weil sie sich selbst spiegeln. Aber ein pathologischer Narzisst hat keinen guten Kern, keinen Zugang zu seinen Emotionen.

Ganz am Anfang unserer Zeit verstörte mich außer seinem voreiligen WIR-Gerede seine Antwort auf die Frage zu einem Foto mit ihm als etwa 19-Jährigem und einer jungen Frau Hand in Hand am Strand: »Wer ist das?«, fragte ich. Er sagte: »Ich weiß nicht mehr, wie die heißt. Mit der war ich mal ein paar Jahre zusammen.« Scherzhaft habe ich immer mal wieder gesagt: »Eines Tages werde ich die Frau sein, mit der Du zwei Kinder hast. Wie sie heißt, weißt Du leider nicht mehr.« Nun ist der Witz Wirklichkeit. Denn mit meinem Vornamen angeredet hat er mich auch nie.

Inzwischen ergibt das für mich alles Sinn: Man erinnert sich nämlich nur an Dinge, Menschen oder Ereignisse, zu denen man eine emotionale Beziehung hat. Ein pathologischer Narzisst hat das nicht. Wer als erste direkte Kontaktaufnahme 65 Tage nach seinem Verschwinden seiner Tochter zum 18. Geburtstag eine knappe SMS schickt, hat das ja wohl ganz offensichtlich nicht. Beweisführung abgeschlossen. Dass der Mann seinen Abflug vor den Augen seinen Sohnes gestartet hat – fünf Tage vor dessen 14. Geburtstag – und nicht einmal TSCHÜSS gesagt, sondern den Filius einfach ohne eine Erklärung stehengelassen hat, soll als besonderer Aufreger auch nochmals erwähnt werden.

»Das entscheide ich ganz allein!«

Wie kann es nun sein, dass eine starke Frau, für die mich ausnahmslos alle – okay, eine Ausnahme, aber diese Person ist ja nun fort – gehalten haben, so etwas mitmacht, solche Einschränkungen über so viele Jahre erträgt? Meine ehrliche Antwort dazu: Ich kann es selbst weder verstehen noch fassen. Vielleicht der Kinder wegen, vielleicht aus Trägheit oder womöglich aus Liebe.

Na klar, die Verantwortung für die Kinder ist ein großer Bleibefaktor. Die hat mich immer wieder darin bestärkt, mich in dieser – im Rückblick betrachtet – doch extrem seltsamen, ja, toxischen Beziehung zu verharren, sie auszuhalten. Eine Beziehung, in der Gespräche nie stattfanden, nichts besprochen und nur ganz wenig gemeinsam entschieden wurde. »Das entscheide ich ganz allein!«, war einer seiner Lieblingssätze. Wenn wir, was sehr selten vorkam, mit anderen Menschen zusammen waren, dann führte er das große Wort, war charmant und eloquent. Kaum waren wir allein, hatte er für mich nur noch verächtliches Schweigen übrig.

Ich habe immer wieder Entschuldigungen für sein Verhalten gefunden, selbst als nach und nach niemand mehr etwas mit uns zu tun haben wollte: zuerst die Nachbarn, dann meine Freund:innen. Eigene Freunde hatte er nicht oder hatte den Kontakt aus seltsamen Gründen abgebrochen. Und wie toll er doch eigentlich war, haben ja immer alle von außen gesehen. Er hat ein Haus gebaut, mir den Strubbelköter ermöglicht. Dass mein Plan mit dem Hundesalon aufgeht, hat er mir aber womöglich nicht gewünscht. Dass meine Kund:innen mir solche Wertschätzung entgegenbringen, muss er gehasst haben.

Nach außen war er der tolle Familienvater, der talentierte Handwerker, der grandiose MacGyver, der sich zur Feier seiner selbst eine Nutella-Tasse mit dem Aufdruck »Guten Morgen, Superheld!« hat machen lassen. Nach innen mochte niemand mehr bei Tisch sprechen, wir ließen ihn lieber allein mit schlechter Laune vor dem Fernseher sitzen, der Kleine hatte sich zu melden begonnen, wenn er seinem Vater etwas mitteilen wollte. Der Kommentar der Großen nach dem Abflug des Vaters: „Du warst immer so nett zu ihm und hast ihm immer alles recht gemacht. Und trotzdem hat er dich so scheiße behandelt.“

Assimilation

Der Narzisst hält sich grundsätzlich für ein Opfer der Umstände. Dazu kann ich allerlei Beispiele nennen. So hatte ich stets angenommen, wir teilten denselben Geschmack in Einrichtungsfragen. Da er aber keine Freude und Begeisterung empfinden kann, hat er sich einfach nur meinen Style übergestülpt. Assimiliation nennen das die Psychologen. Und am Ende hat er sich mit einem Rundblick durchs Wohnzimmer beklagt: »Ich komme hier gar nicht vor.«

Verreist sind wir ausschließlich dann, wenn ich gesucht, gewünscht, geplant habe. Von ihm kam kein einziger Urlaubsvorschlag. Und am Ende musste ich mir anhören: »Aus den Urlauben hätte man was machen können, haben wir aber nicht.« Eine Weile habe ich mich gefragt, warum wir nicht mal nach Griechenland fahren, da schien er früher häufig gewesen zu sein. Mittlerweile ist mir klar, dass es daran gelegen haben muss, dass seine damalige Freundin einen Bezug zu diesem Land hatte.

»Die Kinder kommen nur, wenn sie Onlinezeit oder Geschenke oder Geld wollen«, hatte er sich beschwert und damit gemeinerweise den Kindern eine Mitschuld für seine Flucht gegeben. Natürlich grenzen sich Teenager von ihren Eltern ab und verfolgen eigene Interessen, das ist ja völlig normal. Der Kommentar der Kinder zu diesem Vorwurf war: »Etwas anderes hat er uns ja auch nicht gegeben.« Das stimmt. Wenn der Papa mal an gemeinsamen Unternehmungen teilgenommen hat, hatte er grundsätzlich richtig schlechte Laune.

Gemeinsame Unternehmungen sind ebenfalls ein gutes Stichwort. Ich war jahrelang auf der Suche nach etwas mehr Gemeinsamkeit und habe immer wieder eifrig Vorschläge unterbreitet. Er hätte ja mit mir und den Hunden gehen oder joggen können. Oder gemeinsam tanzen, angeblich hatte er mal Turniertanz gemacht. Zu zweit ins Restaurant sind wir in 19 Jahren exakt einmal gegangen. Zu jedem Geburtstag wünschte ich mir Zweisamkeit und bekam stattdessen teuren Schmuck, den ich gar nicht wollte. Wenn ich traurig sagte, ich hätte den Eindruck, er habe gar kein Interesse daran, Zeit mit mir zu verbringen, wurde er böse. Und an seinem Abflugabend im Januar warf er mir dann vor, wir hätten ja gar nichts gemeinsam. Er sah sich als Opfer.

Wenn mal etwas schiefgeht, ist der Narzisst grundsätzlich nicht verantwortlich, sondern alle anderen. Er hat ja leider das Pech, ausschließlich von Idioten umgeben zu sein. Außer ihm in seinem Größenwahn, gepaart mit Allmachtsphantasien, sind alle abgrundtief dämlich und unwürdig. Wer nicht seine Meinung teilt, wird gebannt. Geghostet, wie man auf Neudeutsch sagt. Kontaktabbruch sagen die Psychologen. Typisch auch das Ignorieren von Fragen, die ihm nicht gefallen. Auf meine mehrfach gestellte Frage nach der Regelung des Umgangs mit seinem Sohn hat er bis heute nicht geantwortet.

Der Narzisst ist unglaublich leicht gekränkt. Eine harmlose Bitte kann ihn aggressiv machen. So etwas wie: »Kannst du morgens wohl deinen Stuhl an den Tisch zurückrücken?«, fällt mir da ein. Inzwischen weiß ich, dass der Mensch mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung so etwas bereits als bösartige Kritik an sich empfindet. Das erklärt auch, warum ich mich immer wieder gewundert habe, weshalb harmlose Unterhaltungen in Zankerei mündeten. Was mit allen anderen Menschen in meinem Umfeld möglich war, funktionierte mit meinem Mann nicht. Und er gab natürlich mir die Schuld dafür.

Das Fazit: Mein Mann kann wenig bis nichts für seine Persönlichkeitsstörung. Er sieht sich als Opfer und die Kinder und mich als Täter. Es haben immer die anderen Schuld. Kontaktabbrüche pflastern seinen Weg. Der Tierschutzverein, etliche Kund:innen, Hubschrauberclub. Mutter. Vater. Halbgeschwister. Freunde. Zuletzt die Vorstandsmitglieder des Fördervereins unseres Gymnasiums, dessen Vorsitzender er war, bis man einmal nicht seine Meinung geteilt hat. So hat er es mit seiner Exfrau gemacht und der Frau davor, mit der er zehn Jahre zusammengelebt hat. Zack, aus. Unerreichbar. Nicht unerwartet also, dass er das ganz genau so und eiskalt mit mir und seinen Kindern macht. Er kann gar nicht anders. Und selbstverständlich ist er für mich nicht mehr direkt erreichbar. Er hat meine Handynummer blockiert. Wie kindisch. Und genau wie über meine Vorgängerinnen wird er, wenn überhaupt, schlecht von mir reden. Ich habe ihm oft gesagt, dass so etwas mehr über ihn aussagt als über die Verflossenen. Ich glaube nicht, dass er das verstanden hat.

Und sicherlich wird er dagegenhalten, dass ich keinen direkten Kontakt mehr wünschte, da ich mehrmals direkt nach Telefonaten mit ihm Panikattacken gehabt hatte. Als ich meine Tochter fragte, weshalb ich denn nur solche Angst vor ihm hätte, sagte sie lakonisch: »Weil du weißt, wozu er fähig ist.«

Schikanen ohne Ende

Nun ist er also weg, und alles könnte so leicht sein. »Ich sehe nur Vorteile«, sagte das eine Kind zusammenfassend. Zu Hause ist wieder das Lachen eingekehrt, man trifft sich gern im Wohnzimmer, wir spielen Spiele nach dem gemeinsamen Abendbrot, währenddessen das Plaudern selbstverständlich wieder erlaubt ist. Nun kommt das große ABER.

Davon abgesehen, dass wir auch nach fast drei Monaten offiziell noch immer nicht genau wissen, wo er jetzt wohnt, sehen wir uns nun diversen Schikanen ausgesetzt. Der größte Knaller ist aber, dass er von mir 800 Euro Trennungsunterhalt fordert. Er, der 3.500 Euro netto im Sack hat; so viel habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht brutto verdient. Mit meinem Strubbelköter habe ich im vergangenen Jahr gerade so den Break-even erreicht und 1.600 Euro Gewinn erwirtschaftet. Im Jahr, wohlgemerkt. Der Ex fordert aber nun – rechtlich völlig korrekt – die Offenlegung meiner Einkünfte. Gleichzeitig ist er aber längst im Besitz all dieser Unterlagen! Er hat sämtliche Steuerbescheide, Einkommensteuererklärungen und sonstige Dokumente mitgenommen. Während ich niemals Einblick in seine Finanzen gehabt habe, wusste er immer alles über meine. Und somit weiß er natürlich auch, dass seine Forderung lächerlich ist. Meine Anwältin hat ausgerechnet, dass mir 91 Euro monatliches Trennungsgeld zustehen…

Ansonsten sind es kleinere, aber sehr nervige Dinge, die uns passieren. Eines Tages kam ich beispielsweise von der Hunderunde und wurde vom Sohn mit den Worten „Mama, Netflix geht nicht mehr“ empfangen. Na klar, keine große Sache, nach drei Minuten hatten wir eigenes Netflix. Und auch klar, dass der Mann für solche Dinge nicht mehr zahlen möchte. Aber jeder normale Mensch würde das doch vorher kommunizieren und nicht einfach handeln. So sind wir also jederzeit auf der Hut, was als nächstes passieren wird. Das ist schon ziemlich gemein. Am gemeinsten war aber die Kündigung einer App, die der Sohn in der Schule verwendet. Die funktionierte mitten im Unterricht nicht mehr. Hinweis: Diese App wird nicht mehr mit dir geteilt.

Die Zukunft ist bunt

Meine Tochter hat als Fünfjährige mal philosophisch gesagt: „Wichtig ist, dass Kinder lachen und voller Farben sind.“ Ich setze alles daran, meinen Kindern Farben zu schenken und zu erhalten. Auch wenn ich durch die neuen Umstände ständig am Rande der Erschöpfung balanciere. Aber ich habe Hilfe von vielen Seiten erhalten. Ich habe Unterstützung von Seiten erfahren, mit der ich nicht gerechnet habe. Moralischen, technischen, praktischen und emotionalen Support von wunderbaren Menschen um mich herum. Freunde, Exfreunde, Kunden, Nachbarn – Lehrer, Finanzbeamte, Polizisten! Eine unglaubliche Dankbarkeit erfüllt mich ob dieser unfassbaren Hilfe.

Ich habe alles. Ich habe wunderbare Kinder. Ich habe ein schönes Zuhause. Ich habe den Strubbelköter und eine Arbeit, die mich glücklich macht. Ich habe tolle Menschen an meiner Seite. Er hat nichts. Außer der »Pedi«, seiner »guten Freundin«, bei der er Unterschlupf gefunden hat, als er »mal reden musste« und seine Flucht ihren Lauf nahm. Die unattraktive Kollegin (»Die ist SO!« Versehen mit Gesten zur Leibesfülle, um zu verdeutlichen, dass er ganz sicher nichts mit ihr habe), über die er sich noch bei mir beschwert hat, dass sie ihn vollgelabert habe mit Problemen mit ihrem Chef. Tja, mein Lieber. So funktioniert Freundschaft. Quid pro quo. Aber das wirst du nie verstehen. Und Latein hattest du ja auch gar nicht.

Am Ende ist klar, wer hier eigentlich die arme, löchrige Socke ist. Allein, ohne Freunde, ohne Vergangenheit, ohne Empfindungen. Das ist wahrhaft traurig. Und wäre er nicht so unglaublich gemein und gefühlskalt zu den Kindern, würde er mir vermutlich ehrlich leidtun.

Der Narzisst sieht nur sich. Und wir wollen den Narzissten sehr gern nie wieder sehen. Zum Abiball ist jedenfalls keine Karte für ihn reserviert.

4 comments / Add your comment below

  1. Meine liebe Claudia, wie schön und wie unglaublich schwer, dass du die Trennung geschafft hast. Ich wünsche deinen Kindern und dir Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Ich habe dich als fröhliche junge Frau kennengelernt und hoffe, dass Du dein wunderbares Lachen behalten hast. Ich drück Dich Ines

    1. Liebe Ines, vielen Dank für Deine lieben Worte. Ich denke oft an unsere Zusammenarbeit zurück, Du warst eine tolle Entdeckung als Autorin wirklich amüsanter Kurzgeschichten und außderdem eine Quelle der Inspiration. (Ich denke gern schmunzelnd an unser Gedächtnis-Münzen-Projekt zurück). Ich freue mich so sehr für Dich, dass Du inzwischen mit „richtigen“ Romanen so sehr erfolgreich bist. Ganz liebe Grüße aus dem Norden von Claudia

  2. Da gehören wohl immer zwei Personen zu.
    Und irgendetwas hast du wohl nicht richtig verstanden. Er musste sich keine neue Wohnung suchen, er hat doch da schon bei seiner neuen Freundin gewohnt. De zwei scheinen auch sehr glücklich zusammen zu sein

    1. Liebe Annawendler66, vielen Dank für die wertvolle Information! Das wussten wir bis zu Ihrem Kommentar tatsächlich nicht.
      Uns hat er gesagt, er wisse nicht, wohin, er habe niemanden, und hat sich dann vier Wochen für 1632 Euro in einem Hotel eingemietet, welches er vom Geld der Kinder bezahlt (und nicht zurückgezahlt) hat. Die Kinder geben sich bis heute die Schuld für sein Verschwinden.
      Eine Aussprache oder eine Begründung hat es leider nie gegeben. Eigentlich sollte mich das nicht wundern, denn meine Vorgängerin hat erst am Tag der Scheidung den wahren Grund erfahren – als sie mich im achten Monat schwanger sah… Der Dame davor ist es wohl ähnlich ergangen, wie ich erfuhr.

      Nun kann ich also meinen Kindern sagen, dass meine Intuition vom 1.1.23 richtig war. Seltsam dennoch, dass Jörn mein Angebot abgelehnt hat, die Scheidung zu beschleunigen. Alles Liebe für Sie!

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