Titelbild Als Durante kam

»Als Durante kam« Andrea de Carlo

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Lesedauer: 2 Minuten

Taschenbuch, Diogenes Verlag, 480 Seiten
18. Dezember 2012, 11,90 Euro
ISBN 978-3-257-24199-0

aus dem Italienischen von Maja Pflug

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# Das Zitat

»Ein Teil von mir hätte gern Durantes im Augenblick unvorteilhafte Körperhaltung ausgenutzt und ihn in den Hintern getreten, ein anderer Teil fand jeden Versuch, sich zu rächen oder Erklärungen zu fordern, unpassend und zwecklos.«

# Der Inhalt

Es ist Mai, und es ist heiß, als ein Fremder namens Durante im Val del Poggio auftaucht und das gesamte ansonsten so beschauliche Leben dort auf ganz besondere Weise durcheinanderbringt.

Astrid und Pietro, die als Aussteiger ihren bescheidenen Lebensunterhalt mit dem Weben von Stoffen verdienen, begegnen ihm als Erste. Astrid ist fasziniert, Pietro irritiert, als Durante die beiden nach dem Weg zu einem Gehöft fragt, auf dem er eine Reitschule installieren möchte.

Nachdem dieses Vorhaben mehr oder weniger misslungen ist und Durante Pietros heimliche Liebe – die Schwester seiner Freundin – ebenfalls um den Finger gewickelt hat, bringt Durante Pietro dazu, ihn auf seinem Weg nach Österreich zu einer Stoffmesse mitzunehmen.

Für ihn selbst überraschend, stimmt Pietro einem hunderte Kilometer großen Umweg über Genua und Zürich zu, wo gleich zwei Kinder und Exfreundinnen besucht werden. Und so ganz nebenbei vermittelt Durante dem Weber Pietro auch noch ungefragt einen Geschäftskontakt – weil er denkt, dass das sinnvoll ist. So wie er immer nur Dinge tut und sagt, die er sinnvoll und sinnhaft findet.

# Die Form

Der Roman ist aus der Perspektive Pietros in der Ich-Form gestaltet und hat ein mehr oder minder offenes Ende. Er ist gut zu lesen und wurde sehr gut übersetzt von Maja Pflug.

Während der gesamten Erzählzeit schwebt in den Dialogen und über den Handlungen trotz drückender Hitze eine unfassbare und schwer zu beschreibende Leichtigkeit, die Andrea de Carlo den geheimnisvollen Durante versprühen lässt. Die leichte Feder, mit der de Carlo schreibt, verleiht den gewichtigen Gedanken des Romans ein wohlklingendes Timbre.

Kurz zu erwähnen sind hier noch die originellen Kapitelüberschriften, die – ganz schlicht – aus dem Beginn des jeweils ersten Satzes bestehen.

# Mein Fazit

Durante ist so ein bisschen wie Robert Redford in »Jenseits von Afrika«. Eher schweigsam, geheimnisvoll, betört durch seine Ehrlichkeit, seine Weisheit und seine Bescheidenheit. Alle, die ihm begegnen, allen voran Pietro und Astrid, kommen emotional ganz schön ins Schlingern.

Durante (ich möchte immer Levante sagen, weil dieser Mann so ist wie die Ruhe vor dem Sturm; außerdem bringt er mächtig frischen Wind in jede Gegend, die er besucht) hat einen ganz besonderen Draht zu Tieren – und zu Frauen. Sie verfallen ihm gleichermaßen direkt während der ersten Begegnung. Wie man im späteren Verlauf erfährt, hat Durante über ganz Italien verstreut bestimmt fünf Kinder.

Dieser Mann ist groß, hager und trägt immer Hut. Ein Asket auf Reisen. Auch ein bisschen wie ein Rattenfänger. Er schafft es, mit seiner bestechenden Aufrichtigkeit sogar seinen größten Feind – Pietro – dazu zu bringen, ihn irgendwie zu mögen und durchaus zu schätzen.

Über die gesamte Zeit hinweg, die Durante zunächst im Val del Poggio und dann auf Reisen mit Pietro verbringt, versteht man Pietro nur zu gut. Denn der Durante sagt und tut immer wieder Dinge, bei denen man direkt aufschreien möchte: »Aber das macht man doch nicht!« Und kommt sich zugleich albern vor – sagt dann aber doch nichts. Ärgert sich dennoch. Kennt man.

Nach dem offenen Ende möchte ich sagen: Ich würde diesen Menschen wahnsinnig gern kennenlernen. Schade, dass Durante nur eine Roman-Figur ist.

Claudia Stieglmayr

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