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Polizeiliches Führungszeugnis blitzschnell? Abgezockt!

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Lesedauer: 3 Minuten

Um meine Hundeschule zu reaktivieren, benötigte ich ein polizeiliches Führungszeugnis. Anstatt ins Rathaus zu gehen oder dort telefonisch zu erfragen, was ich tun muss, um eines ausgestellt zu bekommen, schlängelte ich mich mal eben schnell mit einer Suchmaschine durch das Internet. Es war schließlich Sonntag, und ich wollte diese lästige Notwendigkeit schnell abhaken. Eingegeben in die Suchzeile des Browsers habe ich: »Führungszeugnis online«. Ich war ja so schlau. Und hatte es eilig. Sehr dämlich das.

# Woher bekomme ich ein polizeiliches Führungszeugnis?

Als Toptreffer erschien – noch vor dem Bundesministerium für Justiz (BfJ)! – eine Anzeige von einer auf den ersten Blick seriös aussehenden Seite: www.dienstweg.info
Und auch die »wenigen Minuten« fand ich überzeugend. Also klickte ich drauf.

Sehr seriös und schlicht gehalten ist diese Seite. Vielleicht hätte ich schon stutzig werden sollen, dass das Menü nur einen einzigen inhaltlichen Punkt enthielt: »Führungszeugnis«. Aber ich hatte es ja eilig und dachte nicht weiter nach. Außerdem wies man bereits auf der Startseite auf das Bundesministerium hin… Das wirkte so beruhigend seriös. Und den Fehler im Seitenbanner (Ihrer Führungszeugnis) habe ich glatt übersehen.

Ich klickte also munter weiter und landete bei einer Eingabemaske. Na klar, so etwas kennt man ja auch. Alles so weit noch ganz normal. Dass man ausdrücklich auf sein Widerrufsrecht verzichtet, habe ich noch gelesen und irritiert festgestellt, dass der Button zum Bezahlvorgang erst dann aktiv wird, wenn man das Kästchen angeklickt hat. So ein Verzicht hat nämlich nur Rechtsgültigkeit, wenn der Kunde AKTIV (durch den Klick) auf das Widerrufsrecht verzichtet. Und natürlich ist diesem Anbieter klar, dass vermutlich ALLE Kunden vom Widerrufsrecht gebrauch machen würden, wenn sie bemerken, dass sie keineswegs das bekommen haben, was sie wollten…


So habe ich also aktiv klickend auf mein Widerrufsrecht verzichtet und per Sofortüberweisung gezahlt. Die Summe von 13 Euro entsprach ja auch den tatsächlichen Gebühren, die erhoben werden, wenn man im Rathaus ein polizeiliches Führungszeugnis beantragt. Sehr schlau eingefädelt vom Anbieter dieser Seite.

# »Online-Wegweiser zu Ihrem Führungszeugnis«

Ich habe auch etwas zum sofortigen Download bekommen: Nämlich den »Online-Wegweiser zu Ihrem Führungszeugnis«. Genau wie es dort stand, nicht aber wie ich es erwartet hatte. Erwartet hatte ich, dass ich durch den Antragsprozess geleitet werde und mir schließlich ein polizeiliches Führungszeugnis ausgestellt wird. Bekommen habe ich ein drei Seiten umfassendes Dokument im pdf-Format, in dem steht, wie man diesen Antrag online stellt. Beim Bundesministerium für Justiz.

Großer Applaus für dienstweg.info für betrügerische Schläue! Die 13 Euro Lehrgeld schaden mir gar nichts, finde ich. Reingefallen. Natürlich kann man nicht »mal eben schnell online« so ein offizielles Dokument beantragen. Es geht zwar tatsächlich auch über das Internet, aber dafür muss der Personalausweis für die Online-Ausweisfunktion freigeschaltet sein. Dieser Online-Antrag kann ausschließlich hier beim Bundesministerium für Justiz gestellt werden.

# Aus Schaden wird man klug

Nun habe ich mich also einen Tag lang geärgert und dann doch im heimischen Bürgerbüro angerufen. Wenige Minuten später hatte ich schließlich den Antrag auf ein polizeiliches Führungszeugnis gestellt.

Was dafür nötig ist, will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

# So einfach beantragst du ein polizeiliches Führungszeugnis:

1. Schreibe eine formlose E-Mail an dein zuständiges Bürgerbüro oder die Stadtverwaltung. Darin formulierst du den Grund deines Antrages und nennst die Adresse, an die es geschickt werden soll. (Bei mir war es das Kreis-Veterinäramt)

2. Eine Kopie des Überweisungsformulars über die anfallende Gebühr von 13 Euro packst du als pdf-Dokument in den Anhang, ebenso eine Kopie deines Personalausweises.

Um solche Kopien zu erstellen, musst du weder in den Copy-Shop rennen, noch brauchst du ein teures Kopiergerät. Eine kostenlose App wie zum Beispiel das kostenlose Scanbot reicht völlig aus. Das benutze ich und bin zufrieden. Hier findest Du auch eine Liste von empfehlenswerten Scan-Apps für dein Smartphone: CHIP

Das war schon alles. Deine Behörde schickt dann das Dokument an die gewünschte Stelle. Fertig.

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