Was braucht man für ein Bullet Journal?

Was ist ein Bullet Journal – und wozu brauche ich das?

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Als ich im Herbst 2018 in meiner Lieblingsrubrik der »Zeit«, »Z«, einen überaus amüsanten Artikel über Organisationssysteme las, wusste ich sofort: DAS ist genau das Richtige für mich. Das Bullet Journal.

»Was machst Du denn da?« Das fragte mich mein persönlicher MacGyver eines Tages im vorvergangenen Jahr. Ich saß am Esstisch und gestaltete gerade mit Pinselstiften und Washitape meinen Kalender, den ich nun Bullet Journal nannte. »Ach so«, sagte mein Mann nach einem prüfenden Blick, »analoge Datensicherung.«

So kann man es auch nennen. In Zeiten von Siri und Handykalendern mag es seltsam anachronistisch klingen, wenn jemand händisch einen Kalender führt. Das mag auch nicht für jeden richtig oder das Richtige sein, keine Frage. Das Tolle an einem Bullet Journal ist grundsätzlich, dass es nirgendwo auf der Welt einen besser auf Deine persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenen Kalender gibt als den, den Du selbst gestaltest. Und diesen Bedürfnissen entspricht ein Bullet Journal zu 100 Prozent.

# Was ist ein Bullet Journal?

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Bullet Journal ein selbst gestalteter Kalender ist, der aus wenigen Dingen besteht:

  • einem punktierten Heft (sehr beliebt ist das Notizbuch Leuchtturm 1917) oder
  • einem Ringbuch mit punktiertem Papier (Dotted Paper), wie ich es habe.

Nun benötigst Du nur noch einen Stift (und ein Lineal). Die Grundidee des Bullet Journals ist denkbar simpel und von Designer Ryder Carroll in den 1990er-Jahren entwickelt worden. Bei Carroll wurde in jungen Jahren ADS diagnostiziert, und als College-Student suchte er nach einer Methode, sein Leben besser zu strukturieren. So entstand das Bullet Journal. Genial einfach – einfach genial!

# Das System

* ein Punkt ist eine Aufgabe
* ein Kreis ist ein Termin
* ein X bedeutet »erledigt«
* ein > bedeutet »verschoben«

Das ist im Prinzip schon alles. Wenn man es sich schön und bunt gestalten will, kann man für ein Bullet Journal folgende Dinge noch gut gebrauchen:

Diese Utensilien benötigst du, um ein Bullet Journal zu gestalten. Fineliner, Textmarker, Dotted Paper und Washitape

# Beispiel-Seiten für ein Bullet-Journal

Stürzt man sich ins Internet und gibt »Was ist ein Bullet Journal« in eine Suchmaschine ein, wird man von 161 Millionen Treffern überrollt. YouTuber überschlagen sich förmlich in kreativen Umsetzungen, man lernt neue Wörter wie Doodle (Kritzelei) und Washi-Tape* (superpraktisches Klebeband aus Papier in Myriaden Designs erhältlich), Kalligraphie (Schönschrift) und Habit-Tracker (eine Liste, mit der man seine Gewohnheiten, zum Beispiel, wie viel man täglich trinkt, dokumentiert).

Das ist ein Beispiel für einen Habit Trecker, einen Gewohnheitenverfolger. Hier habe ich notiert, wieviel Wasser ich getrunken habe.

Ich kann Dich beruhigen: Das brauchst Du zunächst alles nicht. Aber Du kannst Dich inspirieren lassen, es gibt massenhaft kreative Anregungen, wie Du welche Seite gestalten kannst, wenn Du magst. Es reichen aber eben auch ein Punkt, ein Kreis, ein X und ein >, um Dein Leben effektiver und übersichtlicher zu managen. Zu Beginn habe ich mir auch einen Index für jede Seite erstellt und eine Legende für verwendete Zeichen. Das habe ich beides wieder abgeschafft, weil es sich für mich und meine Bedürfnisse als überflüssig herausgestellt hat.

# Übersichtlich!

Ich habe es ausprobiert, führe seit anderthalb Jahren ein Bullet Journal und muss sagen: Ich möchte es nicht mehr missen. Anstatt Listen und Post-its und fliegende Zettel mit Terminen zu suchen, kann ich heute sagen: »Moment, ich schau mal nach, das ist alles in meinem BuJo.« Mein gesamtes Leben steckt da drin. Ich habe eine Übersicht meiner Nagellacke (s.o.), meiner Versicherungen, Öffnungszeiten von Läden, die ich sonst x-mal nachschlagen muss. Außerdem Geburtstage, einen Regelkalender, einen Putzplan, Abgabetermine für mein Lektorat, eine Extra-Seite mit besonderen Events, eine Liste mit Fragen für den Elternsprechtag, eine Ideen-Seite für diesen Blog, eine Übersicht über getrunkenes Wasser…

Eine Beispielseite für einen Wochenplan. Ganz schlicht gehalten, nur eine Seite. Platz für Termine und Aufgaben im Bullet Journal

Das Tolle am BuJo ist, dass es sich ganz flexibel Deinen Bedürfnissen anpassen lässt. Zu Beginn habe ich zum Beispiel jeden einzelnen Tag bunt gestaltet, mittlerweile reicht mir eine klare Wochenübersicht auf einer Seite, denn sooooo viele Termine habe ich ja gar nicht.

Seit ich mein BuJo führe, ist mein Kopf viel aufgeräumter, Ideen, die ich einfange, notiere ich sofort im Kalender, dann ist der kreative Geist wieder frei. Ich versäume keine Termine mehr, habe Visitenkarten, Notgeld und Telefonliste stets dabei, selbst die Steueridentifikationsnummern meiner Familienmitglieder sind dort gespeichert. Außerdem habe ich jederzeit einen Blick auf Einnahmen und Ausgaben. Alles unter Kontrolle.

Mein Haushaltsbuch für April 2020. Hier habe ich Kategorien wie Nahrung, Haushalt, Versicherungen, Tiere, Kinder, Beauty, Kleidung, Büro, Bildung, die Ferienwohnung und Sonstiges eingerichtet.

# Ist ein Bullet-Journal ein Zeitfresser?

Ist es nicht mühsam, ein Bullet-Journal zu führen? Ein kleines pummeliges Zeitfresserchen? Klares Jein zur Antwort. Natürlich kostet es ein wenig Zeit, eine neue Monatsseite aufzusetzen, eine Wochenseite zu gestalten. Aber immerhin beschäftigt man sich dabei intensiv mit der eigenen Zeit, plant und teilt effektiv ein, verschiebt sinnvoll oder storniert Termine. Auf gar keinen Fall ist das Führen eines Bullet Journals also verschenkte oder gar vertane Zeit. Seit ich es habe, habe ich viel mehr Zeit für mich! Die übrige Zeit ist geschickt eingeteilt, und viele Gedanken muss ich mir nur einmal in der Woche machen. Ich habe mein Leben im Griff und im Überblick. Das ist ein fabelhaftes, ein großartiges Gefühl!

*Dieser Blogbeitrag enthält Werbung

Claudia Stieglmayr

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