Killerhunde jagen Mountainbiker 😉

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Wer mich kennt oder mir jemals beim Spaziergang begegnet ist, der weiß, dass ich großen Wert darauf lege, dass meine Hunde niemanden belästigen oder gar gefährden. Ich rufe sie ran, stelle mich an den Wegesrand, lasse die Hunde absitzen oder leine sie an, je nach Situation, darüber kann man auch hier lesen. Im Wald und in der Feldmark dürfen meine Hunde die Wege nur in Ausnahmefällen verlassen, mir liegen die Waldbewohner am Herzen.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich öfter mal eine Ordnungswidrigkeit begehe, wenn ich Peanut und Musha mancherorts trotz Leinenpflicht frei laufen lasse. Nun, kriminelles Potenzial schlummert offenbar sogar in mir; ich fahre tatsächlich innerorts manchmal schneller als 50 km/h, kirschgrüne Ampeln habe ich auch schon erblickt und Schwarzparken ist mir ebenfalls nicht fremd. Ich nenne das alles »kalkuliertes Risiko«. Bezogen auf die Hunde heißt das: Ich bin mir sehr sicher, dass ich meine Renntiere unter Kontrolle habe. Fast immer.

# Kennt jeder Hundebesitzer: »O-Scheiße-Momente«

Meine Hunde sind in witziger Stimmung und zetteln ein Rennspiel an, das mir zu weit geht. Enthemmt toben dürfen sie nur genau hier am Waldrand, weil ich dort weit sehen kann und praktisch nie Rehe unterwegs sind. Peanut und Musha sind etwa 30 Meter von mir entfernt, ich pfeife sie, sie reagieren sofort und stürmen auf mich zu. Ich kann sehen, wie Peanut im vollen Lauf den Hals reckt, hinter mir muss etwas Interessantes sein.

Während ich mich schnell umdrehe und SCHEISSE! denke, sehe ich noch, wie ein Radfahrer (zum Glück kein Reh!) an der Kurve umdreht und losfährt. Währenddessen rasen die Hunde an mir vorbei und lassen sich auch durch Pfiff und Ruf nicht stoppen. Doch schon nach zwanzig Sekunden sind sie wieder bei mir.

Ich bin mordsmäßig sauer auf die blöden Köter, auch wenn ich genau weiß, dass sie dachten, sie hätten meinen Mann gesehen. Den treffen wir nämlich häufiger mal im Wald, wenn er mountainbikt. Trotzdem: ICH habe gepfiffen, sie sind durchgegangen! An jeder anderen Stelle im Wald hätte ich weder erlaubt, dass die Hunde sich so weit von mir entfernen noch dass sie so schnell rennen, weil ich weiß, wie blitzartig diese beiden in den Highspeed-Modus schalten können. Wären sie im Schritt neben mir gewesen, wären sie gar nicht erst gestartet.

Natürlich kenne ich als ehemalige Hundetrainerin und Verhaltensberaterin den Zusammenhang zwischen Bewegungsreiz und Jagen. (Lest dazu auch unbedingt meinen Artikel »Warum Hunde Radfahrer und Jogger jagen«!) Daher weiß ich auch, dass meine Hunde den Radfahrer NICHT jagen oder gar beißen würden. Aber das weiß man ja nicht, wenn man die Hunde nicht kennt. Der arme Mann hat zumindest einen großen Schreck bekommen, hoffentlich hat er keine allzu große Angst vor Hunden.

# Salto Mortale

Natürlich will ich auf jeden Fall sichergehen, dass dem Biker nichts passiert ist, und gehe die gut 100 Meter bis zur Kurve zurück. Da kommt er mir schon –sein Rad schiebend – entgegen.

Ich rufe zweimal: »Ist Ihnen was passiert?« Der Mann sagt – zu Recht – etwas säuerlich: »Nein, aber das Rad ist schrott – hier! Ich habe mich überschlagen.«
Während der schwarze Hund mit Sicherheit schon gewusst hat, dass eine Verwechslung vorgelegen hatte, war der weiße Hund vermutlich noch völlig hirnlos begeistert, unseren MacGyver zu fangen –, und hat den Radfahrer so angesprungen, dass dieser sich mit dem Rad überschlagen hat.

# Ist das Rad noch zu retten?

OMG! Jetzt bin ich fast dankbar, dass Hang und Kurve mir die Sicht auf das Drama versperrt haben. Ich schätze, Bilder von sich überschlagenden Radfahrern bekommt man nicht so leicht wieder aus dem Kopf.

Was haben wir nur alle für ein sagenhaftes Glück gehabt! Allen voran Maik* der sich ja sonstwie hätte verletzen können – Bäume, Betonsockel vom alten Zaun, Äste, Steine… Und dann ich, dass der Mountainbiker sich trotz seines Schocks wirklich freundlich verhalten hat. Und schließlich auch die Hunde, die ebenfalls ohne eine Schramme davongekommen sind.

Als ich mich nach den verbrecherischen Hunden umdrehe, sehe ich, dass sie 100 Meter hinter mir auf dem Weg sitzen. Sie hatten sich nicht getraut, mir zu folgen. Und nein, ich denke nicht, dass sie schuldbewusst waren. Sie haben lediglich bemerkt, wie wütend ich auf sie war, sodass sie lieber Abstand hielten.

Ich überzeuge den Mann davon, mich die 300 Meter nach Hause zu begleiten, wo der bereits informierte MacGyver wartet, um sich das kaputte Rad anzuschauen.

# Ende gut, Cyclassics gesichert

Dort ist man schnell beim freundlichen Du unter Bikern. Kurz darauf steckt Maik den Zettel mit unseren Kontaktdaten ein und fährt mit dem Mountainbike von MacGyver nach Hause.

MacGyver repariert das Unfallrad.

Am nächsten Tag kommt Maik mit seiner Frau zu uns zum Fahrradtausch, denn das Unfallrad ist bereits repariert. Und während MacGyver auch noch schnell das Bike von Maiks Frau blitzüberholt, toben meine Hunde entspannt im Garten. Ich beteuere nochmals, wie unsagbar leid mir das alles tut, und versuche, zu erklären, nicht zu entschuldigen.

Schließlich schnacken wir über Katzen, Kinder und gemeinsame Bekannte; und MacGyver verabredet sich mit Maik zum Rennradtraining für die Hamburger Cyclassics.

Claudia Stieglmayr

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*Name geändert.

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