Elternsprechtag: Die 10 besten Fragen

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Lesedauer: 4 Minuten

Die Halbjahreszeugnisse sind verteilt worden. Und nun ist es bald wieder so weit: Im Anschluss wird zum gefürchteten Elternsprechtag gebeten. An diesem Tag haben Lehrer und Eltern die Möglichkeit, miteinander zu sprechen, um Leistung, Stärken und Schwächen des Kindes einzuordnen. Dieses Gespräch ist für beide Seiten wichtig. Also nutzen Sie diese seltene Gelegenheit unbedingt, um zumindest mit dem Klassenlehrer/ der Klassenlehrerin zu sprechen, selbst wenn die Noten eigentlich ganz in Ordnung sind.

# Wie es damals war

Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Mutter diese Sprechtage völlig überflüssig fand und nie hingegangen ist. Sie fand alle Mütter (damals waren es hauptsächlich Mütter, die sich um Schulbelange kümmerten) total bescheuert, dass sie die Mühe auf sich genommen haben, sinnlose Gespräche mit bösartigen Lehrer*innen zu führen. Die Lehrer sitzen immer am längeren Hebel.

Diese Einstellung hatte ich übernommen, ohne sie zu hinterfragen, bis ich selbst Mutter von Schulkindern war. Tatsächlich stellte sich während der Grundschulzeit die Frage, OB man hingeht, überhaupt nicht. Das wurde schlicht erwartet.

Und auf der weiterführenden Schule? Da scheint sich einiges gewandelt zu haben, seit ich dort Schülerin war. Ist ja aber auch schon Jahrzehnte her, wäre schlimm, wenn alles noch wie früher wäre.

# Der Lehrer, das bekannte Unwesen? Schnee von gestern!

Heutzutage ist es tatsächlich so, dass Lehrer darum bemüht sind, GEMEINSAM mit den Eltern nach Lösungen zu suchen, wenn es in einem Fach Probleme gibt. Für die Kinder ist das hilfreich! Zu wissen, dass Eltern und Lehrer*innen an einem Strang ziehen, kommt gut an, sie fühlen sich unterstützt und nicht ausgeliefert. Die Erkenntnis: »Das hat Lehrer XY auch gesagt!« bewirkt Wunder.

Also: Gehen Sie hin! Wenn die Zeit knapp ist, statten Sie wenigstens dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin einen Besuch ab. Wenn Sie Fragen haben, ist es wichtig, offene Fragen zu stellen. Fragen, auf die mit Ja oder Nein geantwortet werden kann, führen nicht zu gewünschten Erkenntnissen.

Ich habe im Folgenden einmal die wichtigsten Frage aufgelistet

# Die 10 besten Fragen für den Elternsprechtag

Zu Beginn eines solchen Gesprächs hat üblicherweise der oder die Lehrende das Wort und wird von sich aus die relevanten Themen ansprechen. Ob danach noch Fragen ungeklärt sind, entnehmen Sie der folgenden Checkliste.

1. »Welche Art der Unterstützung braucht mein Kind in Ihrem Fach und wie kann ich sie leisten?«

Mit dieser Frage signalisieren Sie schon gleich, dass Ihnen Probleme bewusst sind und Sie auf jeden Fall bereit sind, Hilfe zu leisten, sofern Sie in der Lage dazu sind. Oft spricht ja auch die Zeugnisnote eine klare Sprache.

2. »Wie sehen Sie das Potenzial von XY?«

Das ist eine ganz gemeine Frage für einen Lehrer. Die Antwort darauf gibt Ihnen aber schon Hinweise, ob er oder sie Ihr Kind überhaupt schon ehrlich eingeschätzt hat. Manchmal wird nämlich auch die schlechtere der beiden möglichen Noten gegeben, um den Ehrgeiz des Kindes zu wecken, sich zu verbessern.

3. »In welchem Fall wäre eine andere Schule für XY die bessere Wahl?«

Jetzt muss der Lehrer oder die Lehrerin Flagge zeigen. Denn das ist vermutlich die zentrale Frage, die während der Zeugniskonferenzen im Kollegium bei schwächeren Schüler*innen besprochen wird. Man darf auf die Antwort gespannt sein.

4. »Wie können wir zusammenarbeiten?«

Signalisieren Sie Kooperationsbereitschaft. Das kommt immer gut an. Eltern, die immer nur die Schuld beim Lehrkörper suchen, sind eine unerfreuliche Angelegenheit. Ein aus dieser Frage resultierendes Gespräch kann sehr fruchtbar sein und viele Ideen erzeugen.

5. »Wenn XY Ihr Kind wäre, was würden Sie tun?«

Ich finde das die beste Frage in diversen Lebenslagen überhaupt. Weil man den Lehrer damit von seinem Profi-Status herunterholt und ihn als Privatmensch befragt. Das entbindet von Pflichten und gibt dem Lehrer als Privatperson das Recht, seine wirkliche Meinung zu sagen.

6. »Wie ist der Notenspiegel der Klasse?«

Eltern haben ein Recht darauf, für jede Klassenarbeit den Notenspiegel zu erfahren. Das ist oft hilfreich, um die Leistungen des eigenen Kindes innerhalb der Klasse einzuordnen. Fragen Sie danach!

7. »Wie verhält sich mein Kind allgemein im Unterricht und in der Klassengemeinschaft?«

Oftmals verhalten sich Kinder nämlich gaaaaanz anders in der Schule, als wir Eltern so denken. Eine Lehrerin meiner Tochter hat mal bei einem Elternabend gesagt: »Sie sind alle herzlich eingeladen, unseren Unterricht zu besuchen. Aber glauben Sie nicht, dass Ihr Kind sich dann so verhält wie an den übrigen Tagen.«

9. »Welche Lücken hat mein Kind, die wir zu Hause schließen könnten?«

Manchmal schleppt das Kind noch kleinere oder größere Lücken aus der Grundschulzeit mit sich herum, die Sie zu Hause durch Üben schließen können. Fragen Sie die Lehrer: Wie gut sitzt das Einmaleins? Klappt das Kopfrechnen? Sind Fachbegriffe wie Nomen, Adjektiv und Verb bekannt?

10. »Was kann im Unterricht geschehen, um Konzentration und Leistungsfähigkeit meines Kindes zu verbessern?«

Manchmal ist ein schlichtes Umsetzen in der Klasse schon ausreichend, um ein Aufmerksamkeitsproblem in den Griff zu bekommen. Haben Sie nämlich ein Kind, dass zwar dem Unterricht folgen möchte, sich aber leicht vom Klassenclown ablenken lässt (und dann auch gern mitmacht), kann ein Platzwechsel Abhilfe schaffen.

# Wie geht es weiter?

Und nach dem Elternsprechtag? Reden Sie mit Ihrem Kind über die Gesprächsinhalte. Und planen Sie gemeinsam Strategien, wenn es irgendwo in einem Fach (oder mehreren) hakt.

Eine tolle Idee ist es auch, mit dem Kind gemeinsam einen Vertrag aufzusetzen, etwa über wöchentlich eine gemeinsame Übungsstunde in Mathe oder Englisch.

In so einem Vertrag verpflichten sich beide Parteien, regelmäßig und zuverlässig und ohne Murren an der Übungsstunde teilzunehmen. So ein Dokument empfinden Kinder als wichtig und fühlen sich ernst genommen in ihren Pflichten, aber auch in ihren Rechten!

Claudia Stieglmayr

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