Killerhunde jagen Mountainbiker 😉

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Lesedauer: 4 Minuten

Wer mich kennt oder mir jemals beim Spaziergang begegnet ist, der weiß, dass ich großen Wert darauf lege, dass meine Hunde niemanden belĂ€stigen oder gar gefĂ€hrden. Ich rufe sie ran, stelle mich an den Wegesrand, lasse die Hunde absitzen oder leine sie an, je nach Situation, darĂŒber kann man auch hier lesen. Im Wald und in der Feldmark dĂŒrfen meine Hunde die Wege nur in AusnahmefĂ€llen verlassen, mir liegen die Waldbewohner am Herzen.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich öfter mal eine Ordnungswidrigkeit begehe, wenn ich Peanut und Musha mancherorts trotz Leinenpflicht frei laufen lasse. Nun, kriminelles Potenzial schlummert offenbar sogar in mir; ich fahre tatsĂ€chlich innerorts manchmal schneller als 50 km/h, kirschgrĂŒne Ampeln habe ich auch schon erblickt und Schwarzparken ist mir ebenfalls nicht fremd. Ich nenne das alles »kalkuliertes Risiko«. Bezogen auf die Hunde heißt das: Ich bin mir sehr sicher, dass ich meine Renntiere unter Kontrolle habe. Fast immer.

# Kennt jeder Hundebesitzer: »O-Scheiße-Momente«

Meine Hunde sind in witziger Stimmung und zetteln ein Rennspiel an, das mir zu weit geht. Enthemmt toben dĂŒrfen sie nur genau hier am Waldrand, weil ich dort weit sehen kann und praktisch nie Rehe unterwegs sind. Peanut und Musha sind etwa 30 Meter von mir entfernt, ich pfeife sie, sie reagieren sofort und stĂŒrmen auf mich zu. Ich kann sehen, wie Peanut im vollen Lauf den Hals reckt, hinter mir muss etwas Interessantes sein.

WĂ€hrend ich mich schnell umdrehe und SCHEISSE! denke, sehe ich noch, wie ein Radfahrer (zum GlĂŒck kein Reh!) an der Kurve umdreht und losfĂ€hrt. WĂ€hrenddessen rasen die Hunde an mir vorbei und lassen sich auch durch Pfiff und Ruf nicht stoppen. Doch schon nach zwanzig Sekunden sind sie wieder bei mir.

Ich bin mordsmĂ€ĂŸig sauer auf die blöden Köter, auch wenn ich genau weiß, dass sie dachten, sie hĂ€tten meinen Mann gesehen. Den treffen wir nĂ€mlich hĂ€ufiger mal im Wald, wenn er mountainbikt. Trotzdem: ICH habe gepfiffen, sie sind durchgegangen! An jeder anderen Stelle im Wald hĂ€tte ich weder erlaubt, dass die Hunde sich so weit von mir entfernen noch dass sie so schnell rennen, weil ich weiß, wie blitzartig diese beiden in den Highspeed-Modus schalten können. WĂ€ren sie im Schritt neben mir gewesen, wĂ€ren sie gar nicht erst gestartet.

NatĂŒrlich kenne ich als ehemalige Hundetrainerin und Verhaltensberaterin den Zusammenhang zwischen Bewegungsreiz und Jagen. (Lest dazu auch unbedingt meinen Artikel »Warum Hunde Radfahrer und Jogger jagen«!) Daher weiß ich auch, dass meine Hunde den Radfahrer NICHT jagen oder gar beißen wĂŒrden. Aber das weiß man ja nicht, wenn man die Hunde nicht kennt. Der arme Mann hat zumindest einen großen Schreck bekommen, hoffentlich hat er keine allzu große Angst vor Hunden.

# Salto Mortale

NatĂŒrlich will ich auf jeden Fall sichergehen, dass dem Biker nichts passiert ist, und gehe die gut 100 Meter bis zur Kurve zurĂŒck. Da kommt er mir schon –sein Rad schiebend – entgegen.

Ich rufe zweimal: »Ist Ihnen was passiert?« Der Mann sagt – zu Recht – etwas sĂ€uerlich: »Nein, aber das Rad ist schrott – hier! Ich habe mich ĂŒberschlagen.«
WĂ€hrend der schwarze Hund mit Sicherheit schon gewusst hat, dass eine Verwechslung vorgelegen hatte, war der weiße Hund vermutlich noch völlig hirnlos begeistert, unseren MacGyver zu fangen –, und hat den Radfahrer so angesprungen, dass dieser sich mit dem Rad ĂŒberschlagen hat.

# Ist das Rad noch zu retten?

OMG! Jetzt bin ich fast dankbar, dass Hang und Kurve mir die Sicht auf das Drama versperrt haben. Ich schĂ€tze, Bilder von sich ĂŒberschlagenden Radfahrern bekommt man nicht so leicht wieder aus dem Kopf.

Was haben wir nur alle fĂŒr ein sagenhaftes GlĂŒck gehabt! Allen voran Maik* der sich ja sonstwie hĂ€tte verletzen können – BĂ€ume, Betonsockel vom alten Zaun, Äste, Steine
 Und dann ich, dass der Mountainbiker sich trotz seines Schocks wirklich freundlich verhalten hat. Und schließlich auch die Hunde, die ebenfalls ohne eine Schramme davongekommen sind.

Als ich mich nach den verbrecherischen Hunden umdrehe, sehe ich, dass sie 100 Meter hinter mir auf dem Weg sitzen. Sie hatten sich nicht getraut, mir zu folgen. Und nein, ich denke nicht, dass sie schuldbewusst waren. Sie haben lediglich bemerkt, wie wĂŒtend ich auf sie war, sodass sie lieber Abstand hielten.

Ich ĂŒberzeuge den Mann davon, mich die 300 Meter nach Hause zu begleiten, wo der bereits informierte MacGyver wartet, um sich das kaputte Rad anzuschauen.

# Ende gut, Cyclassics gesichert

Dort ist man schnell beim freundlichen Du unter Bikern. Kurz darauf steckt Maik den Zettel mit unseren Kontaktdaten ein und fÀhrt mit dem Mountainbike von MacGyver nach Hause.

MacGyver repariert das Unfallrad.

Am nĂ€chsten Tag kommt Maik mit seiner Frau zu uns zum Fahrradtausch, denn das Unfallrad ist bereits repariert. Und wĂ€hrend MacGyver auch noch schnell das Bike von Maiks Frau blitzĂŒberholt, toben meine Hunde entspannt im Garten. Ich beteuere nochmals, wie unsagbar leid mir das alles tut, und versuche, zu erklĂ€ren, nicht zu entschuldigen.

Schließlich schnacken wir ĂŒber Katzen, Kinder und gemeinsame Bekannte; und MacGyver verabredet sich mit Maik zum Rennradtraining fĂŒr die Hamburger Cyclassics.

Claudia Stieglmayr

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*Name geÀndert.

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