Ingrid Noll »Goldschatz«

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Lesedauer: 2 Minuten

Hardcover, Diogenes Verlag,
erschienen am 27. Februar 2019, 24 Euro

ISBN 978-3-257-07054-5

Das Buchzitat

»Obwohl es Wichtigeres zu tun gab, ließ sich Saskia von Oliver in ein Bastelgeschäft chauffieren, um Acrylfarbe auszusuchen. Im Grunde interessierte ich mich nicht besonders für ihre dekorative Landhauseinrichtung, denn ich war mir mit Henry einig, dass es eher auf ein sozial funktionierendes Gesamtkunstwerk ankam.«

Der Inhalt

Ich-Erzählerin Trixie erbt den heruntergekommenen Bauernhof ihrer Großtante Emma und hat die Idee, daraus eine Studenten-WG zu machen. Trixie sucht gemeinsam mit Freund Henry und ihrer besten Freundin Saskia nach zwei weiteren Mitbewohnern, die sie in dem charmanten Oliver und der unermüdlichen Martina finden. Zu fünft machen sie sich ans Entrümpeln für den Flohmarkt, um mit dem Erlös neue Fenster für das Erdgeschoss kaufen zu können. Dabei finden sie einige goldene Münzen, deren Herkunft unklar ist. Bald schon lernen die jungen Leute den verschrobenen alten Nachbarn – Gerhard Gläser – kennen, den mit der verstorbenen Großtante ein finsteres Geheimnis verbindet.

Typisch für Ingrid Noll, die »deutsche Patricia Highsmith«, gibt es kein »wirkliches« Verbrechen, Morde geschehen bei ihr ja eher versehentlich. In dieser Geschichte liegt der eine Mord jedenfalls sehr viele Jahre zurück und der andere kann im Grunde gar nicht als solcher gewertet werden. Selbst der Tod eines Meerschweinchens kann als Unglücksfall verbucht werden.

Spiegel Bestseller

2005 hatte ich aufgehört, alles von Ingrid Noll zu verschlingen, die »Rabenbrüder« hatten mir leider nicht so gut gefallen. Nun wollte ich ihr also nach vierzehn Jahren mit ihrem aktuellen Krimi eine neue Chance geben. Auf der Spiegel-Bestseller-Liste prangt der Roman immerhin aktuell bereits auf Platz 11.

Die Sprache

Der Versuch, die Sprache der Jugend zu adaptieren, ist Ingrid Noll leider nicht recht geglückt. So kommt nur der kauzige Nachbar, der ihrer eigenen Generation angehört, sprachlich passend daher. Die jungen Leute sind in ihrem Sprachduktus aber nicht stimmig. Das Bild will einfach nicht rund werden. Sprachlich kompatibel wäre der Roman bestenfalls mit meiner Generation (»null Bock« und »Underdog«), aber ich bin ja auch schon Ende vierzig; die Jugend spricht komplett anders, das beobachte ich täglich an meiner Tochter.

Was noch? Das Ende gefällt mir persönlich gar nicht, es platzt recht abrupt und ziemlich unbefriedigend über den Leser herein; dafür, dass der Roman eher schwerfällig und detailverliebt ins Rollen kommt.

Ein paar lustige Lapsus Linguae sind mir auch begegnet, zum Beispiel »Bei einem schweren Verstoß gegen die Ruhestörung kann ein Bußgeld…«, oder »Du schnarchst heute wie eine Kreissäge!«

Unschön fand ich beispielsweise: »Seit kurzem habe ich mit ein paar Kommilitonen (…) gegründet«, und ob ein Schaffell lässig drapiert werden oder ein Projekt an Fahrt aufnehmen kann (eher doch »an Fahrt gewinnen« oder nur »Fahrt aufnehmen«), weiß ich auch nicht. Vermutlich stehe ich damit mittlerweile fast ganz allein da, aber ich beharre eigensinnig auf der ursprünglichen Bedeutung von »realisieren«, was »verwirklichen« und NICHT »begreifen« bedeutet.

Ein Fazit

Es tut mir in der Seele weh, aber »Goldschatz« kommt beim besten Willen nicht an »Kalt ist der Abendhauch«, »Die Häupter meiner Lieben«, »Die Apothekerin« oder »Der Hahn ist tot« heran.

Claudia Stieglmayr

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